Brewing & Distilling

Historical Document · 1850

Theoretisch-Praktische Bierbrauerei Nach Ihrer Ersten Entwicklung Bis Zum Jetzigen Standpunkte

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Author
Shultz
Year
1850
Type
Historical Document
  • brewing

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Theoretisch-Praktische Bierbrauerei Nach Ihrer Ersten Entwicklung Bis Zum Jetzigen Standpunkte

J ‘Theoretifch - prattifche Bierbraucreci nad) ibrer erften Cutwidkelung ; bis gum | jebigen Standpuntte - 3. F. Schulge, Brauer und Tedniter. Revidirt und mit dem meueften Erfindungen in der Kartoffelbierbrauerei verfehen 7 von Dr. W. Reller, Apotheler erfter Kaffe, Borieher des landwirthfchaftlich: tednifden Fnituts gu Waltersdorf bei Ronigé + Bufterbauten und Befiger einer Martoffels ers Brauerei, —Webft dee Abbildung einer Rartoffelbier - Pranerci. ene nee Berlin, 1850. Commiffions-Verlag yon Carl Heymann, t cs hoe oy S1BLIOTHE REGLA MONACENSTS. Borpehendes Werk, durdhrwebt von den Anfidhten und Grundfaigen des verftorbenen, in der Bierbrauerei feiner Zeit bewabrten Hermftadt, follte, durd) mancherlei Umftande verhindert, erft jept fener Vollendung naben. Die Vollendung und die Beigabe der neueften Gr- findungen find mir Ubertragen tvorden. — Der Gez werbtreibende wird dem Entwidlungsgang der Verbeffe- rungen in der Bierbraueret nad) feinen erlangten Gre fabrungen ju folgen twiffen, dad fir ihn vorhanbdene Braudbare priifen und gu fetnem Nugen verwenden. — G8 giebt wohl aufer der Bierbraueret wenige Ge- werbe, in welden die Verbefferungen fo fparlid) vore gefhritten und dem nach Wuffldrung ftrebenden Gewwerb« treibenden auf verftandlide Weife gugdnglicd) gemacht worden find. — G8 wird aber aud wohl gu den Seltenheiten gehdren, daf Jemand mit befonderer Vor- liebe fiir ein Fach, um neue und fichere Unhaltepuntte au fcdaffen, grofe Mtittel gum Opfer bringt, — Auf welden fdwaden Stigpuntten die verfchiedenen ein- gelnen Manipulationen in der Bierbraueret berubhen, erfennt Seder, der fid) nur einige, Sahre mit Geis und Naddenken diefem Gewerbe.gewidmet hat. — Waren in der Bierbraueret die verfhiedenen Verfahrungsweifen, um ftets ein yorjsiglihes Bier gu ergeugen, vt auf gang fidere Erfahrungs-Grundfage gurddgefiihrt, fo wiirden ivir weniger yon den fid) in Brauereien wiederholenden Berluften, welde durd) dad Mifrathen ber Biere entftehen, erfahren, und die gtofartigften Unternehmungen rwiirden nicht fo oft gum Stillftande ober gar gum ganglichen Untergange geswungen werden. — Der Betrich der Bierbraueret ift bedeutend groferen Verluften ausgefest, alé der ber Brennerei, auch ift in den meiften Fallen ein groferes Betriehs- Kapital ere forberlid); fommen bet einem eingelnen Theil des Gee brdues irgendwie Sebler vor, fo ift e6 in. der Regel der Fall, daf Alles verloren ift, wabrend im Betriebe ber Brennerei mannichfadhe Fehler vorfommen fonnen, und unter allen Umftinden dod) wenigftens immer Spiritus, wenn auch in geringer Menge, ergielt werden wird, und eben Ddiefer, aus einer feblerhaften Meifche gewonnene Spiritus, fteht bem aud einer regelrecht be- reiteten und gut ausgegohrenen Meifche erhaltenen tn feiner Reinheit und fonftigen Belchaffenheit nidt nad. — Sm Betriebe der Bierbraueret ift ed gang ander8; durch einen eingelnen begangenen Fehler geht Haufig Wtles verloren: Mahe, Maly, Hopfen, Brenn- materlal und Haufig nod) eine gute Rundfeyaft von Bierabnehmern, wenn nidt bald wieder gutes Bier ergeugt wird. — G8 fommt nit blos darauf an, gum Bierbrauen vorgiiglihen Hopfen und tadelfreies Mtaly gu benugen, fondern: aud) hauptfidlid) darauf, daft der Brauprojes’ und die’ Gahrung bet Darftellung | Der verz faiedenen Biere mit gang bejonderer Sachfenntnif are leitet werde, — Seif, Husdauer, Unifidht und cist “Wu teicher Schap von prattifden Grfahrungen bilder die Hauptvorgtige, svelcdhe ein Brauer befigen mus. — Mangelt ed 3. B. an derjenigen Kenntnif beim Gin- meifchungéprogef, daf die gwifden 50 bid 70 Tiegenden Temperaturgrade nicht ablfeitig auf ihren Cinfluf bee urtheilt werden, fo wird federgeit ein etwad verfdhiedencs Bier geliefert. — Febhlt die gentigende Erfahrung bei Reitung der Gabhrung, fo wird die Wiirye einmal gu ftarE vergabren und febr leicht der Gdurebilnungésprogep eingeleitet, ober Ddiefelbe vergihrt gu wenig und fpater eintretende Untlarheit iff die natirliche Folge. Wird dad Abjiehen ded Bieres nidt gang ridtig geleitet, fo entfteht gu ftarfed ober gu fcwadhed oder auch gar Fein Mouffiren und fehlt eS irgendwie an ReinlichFeit der sur Aufoewahrang und gum Trangport dienenden Gez rathe, fo erhalt auch hiervon das befte Bier einen Beis gefhmad. — So einfad) daher an fid) aud) dad Ge- werbe der Bierbraueret dem Laien erfcheinen mag, fo vielfeitig find dod) die Beobachtungésregein und erheben das Gewerbe nicht Glos gur Hochften Kunft, fondern aud in ber That aur tiefften Wiffenfchaft, fobald all denjenigen Anforderungen gentigt werden foll, welde man an ein vorgliglidhes Bier macht. — Durd mannids face Umftande wurde id) veranlaft, die verfdiedenen Verfahrungsarten gu priifen, um aus Rartoffeln alle Biere darguftellen; icy ahnte inde nicht, daB fo viele Sabre und fo grofe Opfer und Berfuche erforderlid fein wiirden, um flir diefen neuen Snduftriegweig fefte und fidere UAnhaltepunfte gu fdaffen. Uber nicht blof mit Darbringung von grofen Geldmitteln war ¢8 bier- vm bet abgethan, aud) ein fraftiger, an auédauernde Stra- pagpen gewohnter Rorper fonnte bet der felbftftindigen, praftifden Leitung feinen Stof erhalten. — Die von mir blerfel6ft betriebene Rartoffel-Bierbrauerei ift von foldem Umfange, daB bei jedem Brauprozep 24 bis 30 Scheffel Kartoffeln auf ein Mal verarbeitet werden; aud liefern bie in verfchiedenen Gegenden getroffenen bedeutend groferen Ginridtungen von Rartoffel - Biers brauereien den ficeren Beweis, daf diefer neue In- buftriesweig nicht mehr in der Sdee Befteht, fondern ‘vollftandig ing Leben gerufen ift. Waltersdorf bei Kinigd - Wufterhaufen, im Mai 1850. Dr. W%. Keller. Snhalt Gefhichtlicges ber VBierbrauerel. §. 1. — Won der Lage, Befchaffenheit und Ginridhtung einer. gwedmagigen Bierbranerel. §. 8. — Die innere Ginridhtung, Anlage des Keffels, die Feuerung, Darre xc. §. 9—11. — Grife der Brauerei. §. 12. — Groge bes Reffels. §. 13. — Ueber die Untauglichleit mander alter Brauereten. §. 14. — Berbefferung folder Brauereien. §. 17. — Dev FuGboden in der Branerel. §. 21. — Die Malsbutten wd deren Reinigung. §. 22. — Befdhaffenheit ber Braugefige. §. 23. — Der Gihrkeller. §. 32. — Der Winterbierkeller §. 33. — Der Sommers oder Lagerbierfeller. §. 36. — Bon der Regelung der Temperatur der Meller. §. 44. — Benugung der Gisteller. §. 48, — Ronfirnttion des Gistellers. §. 49. — Hiulung des: felbew. §. 50. — Berbeffevung der gu trodnen nud au feuchter Keller. &. 51. — Bon der Abftufung der Keller Hinfichte ihrer Gite. §. 53. — Der Onellbottig. Grofe, Lage, Material bese felben. §. 54. — Ouelloottig aus Steinplatten. §. 55. — Onelle bottig aus Bacifteinen. §. 56. — Der Malsfeller. §. 58. — Ane legung des Wadhsplages. §§. 62-64, — Anfertigung des Ces mentfupbodens, §. 65. — Berbefferung des Wachsplages. §. 66. — Groge deffelben. §. 67. — Die Schwelfe. § 68. — Bee fcaffenhett bes Fupbodens. §. 69. — Die Darre. §. 70. — Bee fcaffenheit des Darrbodens. §. 72. — Die englifde Malsdarre. §. 73. — Die Brabanter Maldarre. §. 74. — Konftruftion und Heizung. §. 74. — Bortheile ud Nadtheile der Brabanter Malys darre. §§. SI—83. — Vom Sehroten. ves Males. § 84. — Anfbewahrung des Sdhrotes. §. 85. — Grofe und Konftenftion ber Sdrotmiihle. §. 90. — Malziprenge §. 92. — Konftruftion verfelben. — Dad Ginguellen des Getraides. §. 93. — Senne geichen der Onelieeife. §. 95. — Grofe des OQuellbottige. §. 98. — Matur deffelben. §. 99. — Die Braupfanue. §. 101. — Ges fell. § 102. — Stonftcuftion des Heerdes. §. 103. — Mollens trugé Warmpfanne. §. 109. — Dimenfton der Branpfanne. §. 114, —- Der Meifehbottig.. §. 116. — Das Srtractionsgefag des Hopfens. §. 118. — Das Kihifwiff §. 120. — Stand. — Verbefferter Kiblapparat. §. 125. — Von den in der Biers braneret wirfenden. dyemifdjen Grundftoffen. §. 181. — Bom Warmeftoff und der Warme. §. 183. — Bom Thermometer md deffen Gebrand). §. 158. — Das Reaumur'fhe. §. 171. — Das Fabrenheit’'fdhe. §. 173. — Oas Gelfiuefdhe oder Centefimals Thermometer. §. 174. — Thermometer gum Gebrandy in der Bierdrauceel. §. 1756. — Bon dem Mugen deffeloen in dex Biere x brauerei. §: 178. — Das Pyrometer. §. 181. — Das Gieden ber Gliiffigfeit. §. 185. — Die Berdunftung. §. 189. — Die gebundene Wirme. §. 194. — Die Damvfe. §. 200. — Spez cififdye Warme. §. 208, — Kinflihe Kalte-Grzengung. 8. 224, — Sialte durd Berdunjtung. §. 226. — Von der Natur der Wirme. §. 232. — Die Marmleitung dev fupfernen und eifernen Pannen. §. 240. — Bon den Metalloiven und ihrem Ginflug auf die Brauerei. €. 242. — Der Sauerftoff, das Ganerftofigas, Berminderung ves GSanerfioffe mit andern Geundbeftandtheilen. Wirkung des Sauerftoffé in dee Bterbereitung. §§ 244-275, — Der Wafferftoff. Darftellung deffelben, t 276. — Defer Gntwidelung beim Malgprojeffe. § 347. — Bom Posphor: § 348. —. Borfommen des Phosphors in der Natur. §. 364. — Dex Kohlentteff. §. 365. — Ole Kohlenttoffidure. §. 395. — , Berfomnen des Kohlenftoffe in Bucter, Weingelft anv ben Oeten. §. 425. — Bon dem Waffer. Beftandtheile deffelben. §. 483. — Die verfdiedene Form deé Waffers. §. 436. + Die frembartigen Stoffe, die am’ gewshnlicyften im Ouelle ober Flupwaffer vore fommen. §. 485. — Brifung des Waffers. §. 544, —- Bon den gue Maisbereitung ndthigen Getreidearten und ihren Beftandtheilen. §. 545. — Die gemeine Gerfte. §. 545. — Analyfe ber Gerfte. §: 546, — Auswahl §. 553. — Kennjeichen der Gerfte, die den Roft hat.- §. 557, — Gerfte, die auf mit Scafdinger gedinatem Boben gewadfen. §. 559. — Der gewdhuticbe Weizen.. §. 561: — Gimvivfang des Diingungsmitiels auf die Gite des Biers. §. 562. — lUnterfuchung von Telfer iiber den Riebergehalt ber Wize, fewie Ginflug ber verfdhiedenen Dingerarten auf dene felben. §. 563. — Analyfe verfchiedener Weizenarten von Bers geliué, Guf und GSanffure. §. 568. — Bon ber Auswahl des Weizens gun Braueceivetried. §. 572. — Der Moggen. Analyfe. §. 574. — Kranfhafie Befhaffenheit. ber Getreideartes. §. 583. — MNihere Beftandtheile deefelben. §. 588. — 1. -Criticin, Koller ; aber Kleber. §. 602. — 2. Pflangeneiweisftoff. §. 605, —= 3. Kraftmehl oper Amylon. §. 608. — 4, Gummnifioff. §. 611. - — 5, Suder oner Sudferftoff. §. 612. — Das Maken. §. 616: -- Das Ginquellen- des. Getraives, der Gerfle befonders. §.. 619, — Renngeidhen der Ouellreife.. §. 620. — Prifung des Waffere gum Quellen §. 622. —- Ueber dad gufauge und zu Enrze Cine quellen der Gerfte,.§. 624, — Ueber die Onelljeit mit hartent und mit weidem Wafer. §. 628. — Ouellgeit der feifcen. und alten Gerfte. §. 630. — Werfahren beim Gingueller. §. 634, Das Malzen oder die Vegetation anf der Mtalgtenne. §. 636. — Das Malzen ves Weizen. §. 671. — Das Sehwelchen des Maljes. §. 674. — Befdleunigunga des Trocwens. §. 677. — Das Fahren des Malzes. §. 678. — Dad Umwenden des Males, . 679. — Das Melten des Waigenmalzes. §. 680. — Dak rocen und Darren des Maljes. §. 682. — Ucber. die Ginridh= tang gluedmdpiger Raudbarren. §. 683. — Anbringuag bet ‘ . mr Fenersige. §. 685. — Was uber ben Higgrad anf ber Darre gu beobachten ift. §. 687. — Das Wenden des Malzes anf dev Darce und die Zeit. §. 690. — Berfahren beim Darren vox ungewelftem Malze. §. 691. — Combrune’é Angaben ‘hinfidtlig der Farbung bes Males bet beftimmtem Temperaturgrad. §. 692. — enngeihen eined gut gedareten Males. §. 694. — Die Prifung des Malzes und. feine Gite. §. 695. — Srfennung des gefdtvefelten Malzes. §. 698. — Prifung deé Malzes vermittelft bed Sacjavometers. §. 699. — Priifung anf ungemaljte Korner. § 700..— Prifung our die Ouantitdt ver RKohlenfaure, die bei der Gahrung entiweidht. §. 701. — Swed bes Darvens. §. 702. — Bu dunfel gefarbies Bier Hell gu machen. §. 703. ~ Leudy’s Angaben tiber das Trinkbarwerden der Biere, aus vers fdhieden gedarrtem Male gebraut. §. 704, — Anwendung des @rinmaljes. §. 705. — Rnffmaly. §. 706. — Kenngeidjen eines guten Luftmalzes. § 707, —. Aufbewahrung des Malzes. §. 708. — Keinigung ves Malzes. §. 769. — Progsentveriseft des Malyes. §. 710. — Ouantitativ:Beflimmang des Maljes aus der dagu verwandten Gerfte. §. 711. — Das Regen and Anfeucdten bes Malzes. §. 714. — Temperatne des dazu verwandten Waffers. §. 715. — Das Quetfchen des Malzes. §. 718. — Ueber die Art ded Sdhrotens. §. 719. — Das Ginmetfdjen. §. 720. — Das Ginteigen. §. 721. — Ouontitdét umd Onatitat des Waffers gum Ginteigen, §. 722. — Grife tes Metfcybottigs. §. 723. — Swed des Meifdens und die dabei gu beobadhtende Tempes ratur. §. 724. — Briifung der Witrze nad dem Cinmetfden. §. 725. — Verfahren beim Meifden. §. 726. — Das Absteven der Wiirze. §. 728. — Oualitit der Wirjze. §. 730. — Die Goncentation bet der Wiirze und die babet gu beobadjtenden Res gela, um bei jeder Temperature den Progentgehalt der Wikeze yu beftimmen. §. 731. — Renngeidjen einer guten Whrye. §. 732. — Die Nachbierwiirze. §. 733. — Beftandtheile dex Wairge. §. 734. — Bwed des Wiirzefochens. §. 735. — Verfahren beim Koen. §. 736. — Beit des Wiirzefodjens, §. 737. -- Dad Abfhreden der Wiirze. §. 739. — Der Hopfen. Gefdhidhtlidjes, SKlalfifitation deffelben..§. 740. — Bon der Srute des Gopfens: §. 743. — Bom Trodnen des Hopfens. §. 744. — Kennjeicher der Giite des Hopfens, ob alt oder new. § 745. — Grfennung des Sehwefelgehalté x. §§. 747. u. 748, — Mufbewahrnng und Berpacdung hes Hopfens.“§. 750. — Patentirte Aufbewakrangse _methode von Herrn Mletfch. §. 751. — Ueber die Anwendung von Hopfenftau ftatt des Hopfens. — Verfdledene Berecnung liber Berminderung ded Hopfens. — Abnahme des verfandter Hopfens. §. 752. — Beftandtheile des Hopfens. §. 723. — Das Hopfenhary. §. 754. — Das Hopfensl. §. 755. — Das Hopfens’ bitter. §. 756. — Die Amvendung des Hopfens gue Meifehe und fiber die Auffangung des leicht verfliictbaren Hopfenils, §. 757. — Die Hyantitat des gugufependen Hopfens. §. 758. — Das Kahler des Weizens. — Die Dimenfion bed KAGYGlffe. §. 769. -~: Behandlung des Biers auf der Kable. §. 760, — Farbe der Warje..§. 762 — Oberz und Untergdhrung §. 763. — Obers gibrang in Gdffern. §. 765. — Die Untergihrung. §. 767. — antitat der augufebenden Hefe bei dew verfdhiedenen Temperature gtaden. §. 768. — Priifung ber Hefe. — Den Seug herfiihren. §. 769, — Gihrungserfdheinungen. §. 770. — Das Kaien dee Sdhankbiers. §. 771. — Das Faffen des Lagerbiers. §. 773.. — Die Answahl des Holjes gu Bottig-Faffern, Aufbewahrung und Anfertigung derfelben. §. 774. — Das Reifen der Gaffer. Swed deffelber, §. 781. — Berfahren beim Piden. §. 782. — Dae Schwefeln der Faffer. §..783. ; ; Kartoffelblerbraueret. Gefdhidhtlihes. — Werth dex RKartojfel in Begug auf dae Maly. §. 2 — Werth des Kartoffelfdrotes in Beamg oufe Malj. §. 3. — . Beftandtheile. der Martoffel. §. 4. — Prifung der Kartoffel. §. 5. — Analyfe der Kartoffel. §. 6. — Ermittes lang des -Gefammtgehaltes der Rartofiel. §. 7. — Der Anfauf und die Aufbewahrung der Kartoffel. §. 8. — Ueber die irrige Anficht, von Monat Marg bis Oftober uidt brauen gu fonnen. §. 9. — Gon dem Gebrande der Kartoffel in Subftanz. §. 10. — Dads Verfahren beim Brawen. §. 11. — 1. Das Wafer und der Waldbottig. — Die Meibemafdine. §. 12. — Das CEntwaffern. der Kactoffeln. §. 13. — Kenngeidhen der Entwaffes mug det Kartoffel. Anwendung des Begetationswaffers. §. 14. — Ueber das Verfahren, aus Kartoffelitarfmehl Bier gu bereiten. §. 15. — Ueber die empfohlene Anwendung des Haferfejrotes. — Quantitdt des angutwendenden Malzes. §- 16. — Ueber Brits fungémittel auf unjerfepte Starke mit Jodlifung. — Bers guderungéfraft des Malzes. §. 17, — Ueber den Kleber und deffen Ausfdheibung aus der Wiirge. §. 18. — Das Ginmeifdjen. §. 19. + Meber das Berfahren Sehwefelfaure anguwenden. §. 21. — Unterfudjung derjenigen Biere, die mit Anwendung von Schwefel= faure aud den Rartoffeln hergeftellt find. § 22. — Das Farb- malz. §. 24. — Quantitat deffelben. — Ueber andere GFarbmittel. §. 25. — Dev Selfebottig. §. 26. — Die Beit des Kodens. §. 28. — Berfahren beim Roden. §. 29. — Anwendung ded Hovfene.. §. 30, — Befdhreibung des Braufeffels. §. 31. — Klirungsmittel der Wiirge. §. 321. — Die Abfihlung der Wiirze. . 83. — Das Faffen des Kartoffelbiers. §. 34. — Das Bers panden der Faffer. — Sdynell fertiges Bier gu haben. §. 36. — Vefehreibung der beigefiigten Seicnung. Einleitung. §. 1. Die Runt, Bier yu brauen, ift febr alt, und fcbon feit ldnger alé 2000 Sahren fennt man den Ges braudh diefes Getrduts. Der griechifche Dichter und Ga: tyrifer Ardhilodhus, der ungefihr 700 o. Chr. lebte, fo wie die griechifdhen Tragddienfchreiber Aefdylus und Sopbhofles, 400 ». Chr., fannten diefen Zrant, ben fie Gerftenwein (Vinum hordeaceum) nannten. Diodor von GSicilien (Lib. 1, 20. im 34. Rapitel) fagt, daf. Ofiris in Egypten das Bier als einen Stell vertreter des Weins juer(t eingeflihrt habe (f. Herodot Lib. IL.), and ebenfo geht aus dem Gerftenwein des Aefchylus und Sophonlles deutlid) hervor, dah den Alteften Griechen das Bier nicht uribefannt gewefen ift, deffen Erfindung fie einem Bacdhus jufchrieben. Pi: nius (70 ». Gbhr.), der an mehreren Orten der »Ia- turgefhichte« oon diefem Getrdnfe fprict, ergdblt, daf daffelbe auf verfchiedene Weife gubereitet wurde, ja daf eé eine Urt deffelben gibe, welche noch geeigneter ware, alg felbft ber Wein, die Mtenfchen gu beraufchen. Gr erwdhnt auch, daf diefes Getrdnf in Spanien celia und ceria, in Gallien und in andern Provingen des. rimi« feben Reichs von Ceres, her Gdttin des Getreides, und Seller's Vierbranerel. 1 ee —~ 2 — vis, die Gewalt, cerevisia genannt werde, befonbders bei ben alten Deuticdhen in Gebraucd) gewefen fei, und bei biefen ebenfallé cerevisia geheifen habe. §. 2. Die erften Erfinder des Biers aber follen, wie bes reité erwdhnt, bie Egypter gewefen, und daffelbe gu Pe- Jufium on vorgtiglicher Giite gebraut worden fein. Spiter war bas Bier in Egypten gang unbefannt, und erft die frangififche Erpedition foll bas Vierbrauen wies der in Aufnahme gebracht haben. §. 3. Die Lateiner und Gallier nannten nur ihr leicdhtes fiifes Bier cerevisia, dag ftarfe Bier hingegen tourde oon ihnen Zythus genannt. tan tann es wobl als gewif annehmen, daf das Bier der dltern Griecen, La« teiner, Gallier und Germanen von dem unfrigen fic) wefentlid) unterfchied, da e6 ohne Hopfen bereitet, alfo auc) weniger haltbar war. Senes Getran® war wabr: fcheinlidy fein anbderes, als bas, was in Polen und Ruf. land mod) jegt vom dem gemeinen Dlanne unter dem Namen Quas getrunten wird. Mac Johann Sedmann (fiehe deffen Beitrdge yur Gefdhichte der Erfindung u. f. w. 5. Band S, 212) wurde die Erfindung, dem Viere Hopfen gugufegen, in Deutfdhland wabricheinlid erft infoer erften Dalfte des neunten Jahrhunderts gemacht, obfdon bereits frither dem Biere bittere SGub« ftangen gugefegt wurden. Aber aud) ber Hopfen fand [ett im gwoblften und dretgehnten Jahrhundert all gemeinen Gingang, und von diefer Beit fing man aud erft an, haltbare agerbiere gu brauen. Gpdter, als in Deut(dland, lernte man in Gdhweden ben Hopfen fennen. Sn ben GBrauereien der Mtieberlande wurde der Hopfen erft im Anfange bes vierzehnten Jahrhunderts —~ 3 — eingefiihrt; fie fiigten dem Biere friiher, um feine Giite gu erhidhen, eine andere Materie, Gruit genannt, hingu. Jn Deutfdland& waren fdon im elften und gw~lften Sabrhundert die Martifchen Hopfenbiere fehr befannt und fo berithmt, daf fie felbft nach) England verfahren tourden, Grft im Sabre 1523 fiibrte man in England unter Heinrid) VEEL pen Gebrand bes Hopfens ein, ben die Englander durd Leute ang Artois fennen ge: lernt batten. Sm Sabre 1530 wurde diefer Bufag des Hopfens, als ein dem Biere fchddlider, durd) Hein: tid) VIII, unterfagt. och im funfzgehnten abr: hundert wurbe in Sdweden der Hopfen nur felten. gum Biere angewendet, hoch fegte man dafelbft fon mebhrere andere Gubftangen, befonders Por(t (Ledum palustre), hingu, fo ba, wegen deren Schadlichfeit fiir die Ges fundbeit, Gefege bagegen gegeben werben muften, (fiche Sueciae regni leges provinciales a Carolo LX. publi- catae et a Loccenio in latin. ling. transductae. Heol- miae 1672. Fol. pag. 104). Heutiges Tages wiirde ber Hopfen wohl nicht gut mehr in den Bierbrauereien gu entbehren fein. §. 4, Gewdhnlic) wird gwar die Kunft, Bier yu brauen, gang oberfldchlic) nur nad) mechanifd erlernten Handgrif: fen ausgeiibt, bennoch aber ift fie auf hibere wiffenfcbaft: liche Grundfdge bafirt, die der allgemeinen Maturlehre angehiren und befonders dem chemifchen Theile derfelben entfproffen find, welche alfo auch bem rationellen Bier: brauer nicht gang fremd bleiben diirfen. §. 5. Freilid) begniigt fich der blof mechanifche Arbeiter mit ben empirifcben Regeln und Vorfchriften, wie das Getreide gu behanbdeln fei, wenn Bier daraus bereitet ] * — 4 — werden fol, er ift aber auch gang allein darauf ange: wiefen, und bad geringfte Ereignif bet feinen Arbeiten, welches anferhalb ber Grengen feines empirifchen Wil: fens liegt, bringt ihn felbft in Werlegenbeit und ein Miflingen in das Ergebnis feiner Urbeiten. §. 6. : Der Bierbrauer hingegen, welcher nicht blof die empirifhe Kenntnif befigte, nach mechanifd erlernten Regeln, Handgriffen und Vorfchriften yu arbeiten, fon: bern vielmehr mit allen ju feinem, Vetriede erforderliden phofifalifchen und dhemifchen rationellen Grunbdfagen ver: traut ift, bem werden niemals jur Befeitigung eines vorgefommenen Febhlers die Wege und Mitte! mangeln. §. 7. Das Gefammte der Kunft, Bier gu brauen, life fich fliglich gufammenfaffen in cine Wil gemeine, twels de die theoretifhen und prattifdhen Grundfdge hes Gewerbes in fich begreift, und in eine Gpecielle, welche bas befonbdere Verfahren fennen und austiben lehrt, wie Biere von verfchicdencr Art angufertigen find. Grifter WMbichnitt. Vou dem Branhanfe und feinen Kelleru, mit befonderer Riidhfidt anf die Conftruction, Aulage und Ausfihrung Der SFelfenkeller in allen Geftein- und Bodengattungen, und von den 3um Bierbranen ndthigen Gerdth(datten. §. 8. Die age, die innere Vefchaffenheit und Cinrid: tung einer gwe€mdfigen Braueret trdgt viel zur Hervor: bringung untabdelhafter Produfte bei. Das Brauhaus ‘foll in einer trodnen, nicht moraftigen Gegend liegen, und nidt von andern Gebduden alljufebr eingefchloffen fein, die den Luftzug behindern, in weldhem Falle aud din fchnelles MbEihlen her Wiirze, welches auf die Giite und Haltbarteit ber Biere einen wefentliden Ginflus hat, nicht Statt finden fann. Dads Gebdude felbft foll ein ldngliches GViered bilben und mit der breiten Vor: berfeite wo miglid) nad) Mordoft gerichtet fein, weil es fo am meiften vor der Gonnenivdrme gefchiigt ift und die Luftzlige am beften angebracdht werden tinnen. Wo indef bet der Anlegung eines neuen Brauhaufes die Hertlihfeit eine folde Lage nicht geftattet, ba ftrebe man wenigitens barnad, der Hauptfronte die Michtung —- 6 — nad Often gu geben, weil die Mtorgenfonne auf die Brauverridtung tiberhaupt einen giinftigen Cinflugf aus. ibt, wabhrend die Mittags. und Machmittagsfonne mehr oder minder nachtheilig bdarauf eintwirft. Wiinfchens: twerth ift 8, baB das Braugebdude, wegen der ftars fen Geuerung, die in demfelben unterbalten werden mug, maffiv errichtet werde. §. 9. Wenn die Malsdarre, wie dies fehr hdufig der Fall gu fein pflegt, nicht im Brauhaufe felbft fic) befindet, fo muf man bet der Anlegung derfelben ebenfalls fehr vor: fichtig gu Werke gehen, weil mit dem Darren des Mal: eS eben fo grofe, oft auc nocd weit grifere Ge: fabr verbunden ift, al mit ber Vierbraueret felbft. Das Vraubaus mus im Jnnern fo gerdumig fein, daf der Kamin mit der Braupfanne oder dem Braukeffel, fo wie alle andere ndthigen Gerdthfchaften, den gehdrigen Plag darin finden, obne daf diefe lepteren wahrend ber Brau :Arbeiten hinderlicdy) werden; aud) muG der innere Raum zur miglidft fcnellen WbEiblung der Wiirze nothwendig durch) eine Scheidewand in gwei ungleiche Theile getheilt fein, wovon der Eleinere fo grog ift, daf er bie Braupfanne ober einen grofen Keffel und den Maifhbottid) bequem faffen fann; die gtweite grifere Abtheilung hingegen dient gum Wbeiblungs: und Gah: — rungéorte, Diefe Sceidbewand ift nicht nur mit einer Khir, fondern aud) mit Oeffnungen ju verfehen, durch welche die Rinnen gelegt werden finnen, vermittelft iwel- cher die Wiirje nach dem Kiihlorte geleitet wird. Gene Heffnungen miiffen zum Verfdliefen mit paffenden Klap- pen verfehen fein, damit die Warme fic nicht von der Braupfanne nach dem Kiihlraume verbreite, welcdhes, be- fouders bei falter Witterung, das Wbeahlen der Wiirze —~ 7 — vergbgern wiirde. Damit die Wafferddmpfe, welde von der abjutiiblenden Wiirze auffteigen, einen gentigenden und miglicdft fdnellen Abzug finden, und dadurd die Kibhlung befirdert werde, muf der Kuhlraum nicht nur mit einem gut ziehendben Gchornftein verfehen fein, fon: dern e8 find aud) nod) in den drei freien Winden des Kiblraums mehrere mit Klappen verfehene Oeffnungen angubringen, von weldhen, nad) Vefchaffenheit der Dem: peratur der Wtmofphdre, fo viel gedffnet werden miiffen, alé yur gebirigen Ablihlung der Wiirze ndthig find. Wo aber, wegen der fehlerhaften Lage eines Brauhau- fes, der nithige Luftzug in dem Kihlraume nicht an: gubringen ift, ba muf man ihn auf eine andere Weife burd) ffinftlidhe Vorridtungen gu bewirten fuchen, sweil eine moglidft fcnelle Abkeihlung der Wrirze eines der erften Grforderniffe yur Erbaltung eines fchmadhaften, gefunden, Haren und baltbaren Bieres iit. §. 10. Das Brau: und Malshaus miiffen beidbe mit Grun: nen verfeben fein, die ftets bie ndthige Waffermenge ju geben im Stande find. Gollte indef, aus Mtangel an Quellen, an Ort und Stelle kein Vrunnen zu graben fein, fo muf bas Wafer durd MHhren von irgend ei: nem paffenden, miglichft nahe gelegenen Orte hergelet« tet werden. Das Walfer felbft, von dem vorzugsweife ein gtoedmifiger Brauereibetrieh abhdngig ijt, muf weid fein, und alle diejenigen Gigenfchaften befigen, swelche wir fpdter in einem befondern AUbfdhnitte ndher erirtern werden. Demnach éft.es bet der Unlage einer neuen Braueret Hauptfache, die Gegend und hie Oertlichteit gudor genau ju unterfuchen, ob dafelbft Wafer von ber gum Brauen geeigneten Vefchaffenbeit in gentigender Menge fid) vorfindet; ba ohne diefe vorbherige forgfaltige — s — Priifung e6 dburchaus, wegen der vielen oft baraus ents fiehenden Iadhtheile nicht rathfam ift, eine Sraueret an einem folden Orte aufgubauen. §. 11. Der Fufboden des VBrauhaufes mus, gur Vefdrde: rung und Erhaltung der Reinlichfeit, mit feften Gands fteinen oder gut gebrannten Qtauerfteinen belegt fein; und eben fo miiffen dict iiber demfelben, in den Seis tentodnden bes Gebdudes Luftlidher, mit Klappen ver: fehen, gur gebdrigen Austrodnung bes Fufbodené ange« bracht fein. §. 12. Ueber die Grife eines angulegenden Brauereige: bdubes laft fic) natiirlich nichts Beltimmtes feftftellen, ba ber innere Raum deffelben vorgugsweife von der Grbfe der Vraupfanne oder des Brauteffels, dtefe aber twieder von dem Gedarf hes geinen Biers im Durch: {chnitt eines Monats abhdngt; denn eine Brauerei gris fer angulegen, als fiir den beftimmten oder gu boffenden Ubfag an Vier nvthig ift, bringt grofen Macdhtheil, ins dem bas Gebdude in feiner Anlage nicht nur ein unverhdlt. nifmdfig griferes Kapital und mehr Unterhaltungsto: ften erforbdert, fondern aud) die darin befindliden Ge: rdthichaften im Werhdltnif der Grdfe zum Gebdude fibermdfig grog eingerichtet werden miiffen, und dem: nad theurer gu fteben fommen, ohne dabei cinen gris fern Gewinn gu erzielen, fondern fogar noch die Arbeis ten, griftentheils gum Machtheile des ganjen Brauge: fchafts, gu erfchweren, denn da, nach den neuern Er: fabrungen, in einer gtoedmifig eingerichteten Braueret binnen 24 Stunden vollfommen gwei Mal abgebraut werden fann, fo ift ein fo grofer Raum, alé ihn die in fritherer Seit erbauten Srauereien einnehmen, gegens —~ 9 — wairtig fiir ein angulegendes Brauhaus nicht mehr nb. thig. -§. 18, BVetragt 3. B. der monatlide Durchfcdhnittsbedarf an reinem SBiere 500 Zonnen, fo fommen, wenn 20 Mal im Monat, alfo 5 Mtal in einer Woche gebraut wird, 25 Zonnen auf einen Brautag, und da an eis nem Tage 2 Mal abgebraut werden fann, auf jedes Gebrdu 12 bis 13 Tonnen, welches gerade der Sag fiir eine gwedmifig eingerichtete Vraueret fein diirfte. Mad) biefer angenommenen Menge, welche darin gefocht werden fol, wiirde der Braufeffel 6 bis 8 Tonnen halten. mij: fen, weil die auf 12 Stunden angenommene Wiirze nidt auf einmal, fondern ju gwet verfchiedenen Dalen gar gefocht wird. Gin Braukeffel von folder Grife wird hidchftens 350 bis 400 Pfund wiegen, und etiwwa 200 bis 250 Shaler foften. Gs darf der Keffel aber auch ‘nidt ju fein fein, weil, wenn mehr als gtvei Mal nad einander Wiirje barin abgefocht werden miiste, dies, wee gen der dadurd) vergigerten Abtiblung bes Gangen, ef: nen febr nachtheiligen Ginfluf auf das Bier gustiben wiirbe. Uududerung and ywedmafige Verbefferung der als ten vorbandenen Vierbranereien. §. 14, Gé wurde in fritherer Scit wenig ober gar nidjt bei der Anlage neuer VBierbrauerecien bharauf gefehen, ob die Bauftelle luftig und troden, oder feucht u. f. w., ob reine und gefunde Quft babet vorherrfdend oder ob fle mit fchdblichen Diinften gefdhwdngert war. — 10 — §, 15. Man madte, hinfichts des in den Brauereien ers forberlichen vielen Wafers, ber Bequemlicdfeit wegen, folde Anlagen grbftentheils an Gliffen und Bachen, oft anch an abgelegenen diiftern und unfreundliden Or: ten, welche, wie die Erfahrung e6 nod) tiglid) befun- bet, gum Wohnen ganz und gar nicht geeignet waren. §. 16. Jm Allgemeinen giebt es nod tiberall viele dauer: haft gebaute, aber im Qnnern hicdhft ungwedmdfig ein. geridtete Vrauereien, deren gdngliche Miederreifung fee doch wohl nicht angurathen fein dtirfte, da died mit bes deutenden Koften verfntipft ift, oft die Mitte! gum Wies deraufbau feblen, und endlich toohl auferdem nod) die Frage entitehen michte: Wo ein anderer, zwedmdfiges rer Bauplag gu finden fei? Daher muF bei folchen als ten vorhandenen Brauerei«Anlagen fobald alé thune lich gu einer jeitgemdfen Verbefferung gefchritten werden, wenn in denfelben guteé, gefundes und haltbares Bier gebraut werden foll. Wir wollen heshalb hierbei von unten anfangen, und uns bemtihen von einem Gegen« ftande tad) dem andern die Verbefferungsiweife angus geben. §. 17. Finden fic unter den oorhandenen Brauereien aud) qugleidh tiefe, feucdhte und dumpfige Keller, fo erhdbe man biefelben fo viel als miglic), und pflaftere fie mit guten Steinplatten, die jedoch nur aus fehr feften Ganbd- fteins oder anderen Platten von feftem Geftein beftehen diirfen. §. 18. Man grabe, wenn dies nod nidt geholfen haben follte, einen ober mehrere Brunnen, in denen fich die — l— Feudhtigkeiten bes Kellers fammelu, die aber yon Zeit gu Beit ausgepumpt werden miiffen. §. 19. Ferner fuche man jedent alten Keller wo mbdglid einen Ubjug gu verfchaffen, weil alle Keller, in weldhen Bier gelagert wird, in warmen Sommertagen hdufig gefegt, ausgewafden und abgefpiilt, fo wie aud) bie Saffer, in welche das abgelagerte Vier fid befindet, Hf: ters mit frifhem Waffer begoffen werden miiffen; aus welchen Griinden die Bierkeller durchaus mit bangs fandlen verfehen fein miiffen. §. 20. Gind die Kellermauern und Kellergewsilbe von Feuch: tigkeit und Naffe hburchdrungen, was bei derartigen Kellern gewdhulicd der Fall ift, weshalb diefelben auch bet warmen Tagen dem VBiere einen hidft nachtheiligen Dunit entwideln und verbreiten, fo bringe man in den Stirns und Widerlagémauern und felbft im Gewslbe, fo viel alé thunlich ift, Quftztige an, und wWo died, wegen ete waiger angrengender Keller, nicht angeht, lege man in jedent Kellerraume wenigftens einen, beffer aber mebrere, durd) bas Gewilbe flihrende Dunftabsiige an. Am bes ften ift e6, wenn man folde Dunftabsfige an den Seis ten ber Gewilbe durdfiihrt, und fie in ben Ringmauern der Gebdube ausmiinden ldft, wobdurcd dann den Kel. lern fortwabhrend frifde Quft gugefiihrt und aud) die in denfelben fid) entwidelnde Stidluft und andere Diinfte daburch abgeleitet werden Fénnen. Wile die vorgedadhten Absiige diirfen nicht innerhalb, fondern miiffen von au- fen mit Klappen verfeben fein, um diefe nad) Bedtirfs nif Sffnen. und verfcdliefen gu fdnnen. §. 21. Die VBrauereien und Malsereien miiffen ebenfalls —_ 12 — mit feften Steinplatten ober gebrannten Sadfteinen, am beften mit fogenannten Gliefen, gepflaftert fein, und fiber ber Plinthe, und bei hikernen Wmfaffungswanden fiber ger Grundmauer erhoben, angelegt werden, weil nad dem jedesmaligen Brauen der gange Fufboden ges reinigt und abgefpilt werden muf, um dabdurd) die von bem MReinigen der Vraugefife entitandenen fauligen Diinfte abgufihren, daber es gut und gwedmdsig ft, wenn in jeder Vrauerei ein Brunnen fich befindet, oder wenn reines Quellwaffer vermittelft Rodhren dahin gelei. tet werden Fann. §. 22, Die fogenannten Maljfteine oder Malsbiitten, wels che in den meiften alten Srauhdufern aus Holz angefers tigt find, werden hichft ungwedmdfig, wenn man dies felben nicht auf’s befte reinigt, weil fie die in ber Frudht befindlicen und burch das Ginweichen derfelben fich ent: widelnden fauren Theile in fid) giehen und fo dem Malje ben Stoff gum Gauerwerden einimpfen, baher denn auch bie aus foldhem Malge gebrauten Viere fic) nicht halten finnen, leicht fauer werden und verberben. Man fcaffte demnach in vielen Brauereien aus diefem hicdhft widti: gen Grunbde die hdlgernen Weidhbiitten ab, und legte das fiir fteinerne Raften ober Srige an. Das befte Reins gungémittel fiir die hilzernen Biitten bleibt frifdygeldfch. ter Ralf, Holjafche und heifes Wafer. Gleiche Theile Kal€ und Holafdhe werden mit fo viel heifem Waffer angertibrt, baf -baraus ein dider Bret entiteht; fobald nun die Viitte mit Raltem und darauf mit heifem Wafs fer gut ausgewafcen worden, biirftet man diefelbe mit . ber Kal€mifchung gut aus, und entfernt ben ziemlich bid aufgeftridenen Ralf nach Verlauf von 2 Stunden durd Aus(hduern mit Sand und reinem Waffer. Diefe Opes — j3g — ration wird im Ganjen bret Mal wiederholt, wobdurdh man, nach forgfdltiger Ausfiihrung derfelben, jederzeit vollfommen reine Viitten haben wird. §. 23. . Was die Braugefife bhetrifft, fo miiffen diefe von gang trodenem Holje, bas juvor tiichtig ansgelaugt ift, angefertigt werden, und jeder Bottich u. f. w. mus mit einem Dedel verfehen fein. Statt der bisherigen hohen Kiblfiffer fhaffe man Kiblfcdiffe an, welche im Lichten nicht biber als 6 big 8 Boll fein diirfen und auf hobe Geriifte gebracht werden miiffen, damit frifche Luft ober: und unterhalb derfelben durchjiehen fann; ¢3 miiffen auch deshalb in den Wanden der Brauhdufer fo viel Zug: und Luftlicher angebradt fein, alé nur ir: gend miglid) ift, die jedod. nad Crfordernip gebffnet oder gefdloffen werden Finnen. - §, 24, Man treffe in jedem Brauhaufe die Vorrictung, dab bas Bier aus der Brauerei fofort in die Keller ges Taffen werden fann. Die Mtalgdarren oberhalb der Ref: felfenerungen angubringen, fann fehr leicht bewirtt wer: den, und e8 wird badurc) bie Feuerung unter einer bes fonberen Darre erfpart, und bas Mtalg weit swedkmafi- ger gum Brauen hergeftellt. §, 25. Die Gebdlfe, welche ju Mealgbdden dienen follen, belege man nidt mit rauhen und nur gefugten.Grettern, wie died noch hdufig in den alten Grau: und Maljhdus fern vorgefunden wird, fondern mit gehobelten und ge: fotindeten Grettern, weil auf diefen das Mtalz fich beffer umbarten und umfchaufeln lagt, und auch beffer trodnet; felbft wenn die Bretter etwas zufammentrodnen, fann doch, bet gefpundeten, Fein Maly hindurchfallen, was bei — j74 — ben blof gufammengefiigten Brettern hdufig genug der Fall ift. §. 26. Die Trodentuken miiffen gang horizontal mit ben Malgbdden liegen, damit die Luft dict iiber das Mtals hinwegftreichen und daffelbe fo fchnell als miglic) trod: nen Fann, welches gur Haltbarkeit der Viere hichit noth: twendig ijt. §. 27, Hiermit find die wefentlichen Verbefferungen, welche in den alten Vraubdufern vorgenommen werden miften, angebeutet, und ich fomme jept wieder auf die Keller, die Braugerdthfchaften u. f..w. einer new anzulegenden Vierbrauerei guriid. . Vei einer zwedmafig eingerichteten Brauerei find bie Keller, welche von hinreichender Grife vorhanden fein miiffen, von der griften Widtigkeit. Es miiffen diejenigen, welche jur Aufnahme des fertigen Biers be: ftimmet find, miglichft Bibl und daber tief angelegt wer: den, und der Gingang yu denfelben nach Norden gekehrt fein, damit beim Hinausbringen des Biers die Gonnen: wdrme webder bem Biere felbft noch dem offer ftehenden Keller fchadlic) werden Finne. §. 29, Der ganje Kellerraum ift fiir folgende AUbtheilun: gen beftimmt, von denen jede hier befonders befchrieben werden foll; 1) far den Gabreeller, 2) fair den Winter: Vierkeller, 3) fiir den Gommer- Vierkeller, bet weldhem id gleichgeitig befondere Midfidt auf die Conftruction, Anlage und Ausfihrung der Felfenteller genommen habe; 4) fiir. bie Malstenne, und endlid) 5) fiir den Quellfto€ oder Quellbottich.. Fede eingelne diefer Whtheilungen er. —~ 1b — forbdert ihre befondere Cinridhtung. Nothwendig ijt hier bas bereits fo hdufig in Erwmabnung Gebrachte, daf ndmlid fimmtliche Kellerrédume von Grundwaffer ver: fcont, alfo in jeder Sahreszeit troden und tahl bleiben miiffen. 1, Dev GabrFeller. §. 30. Der Gabréeller, welcher die Gahrbottide, in denett die gehopfte und gehirig abgetablte Wiirze mit der Hefe verfegt wird, um die Fermentation derfelben gu veran: laffen, aufjunehmen beftimmt ijt, muf mindeftens 5 bis 6 Sub tief aus der Erde heraus und gewslbt fein,. um fteté, alfo aud) im Winter, eine Pemperatur von 9 bis 10° MR. gu befigen. Ferner muf derfelbe einen fo gro« fen Glicenraum haben, daf er die Gabrgefafe von 6 Gebrduen aufjunehmen im Stanbe ift, wobet die Gabr- bottiche fo geftellt fein miiffen, daf die Wiirze aus dem KAHlfHiff in den dazu gehirenden Bottid) ablaufen Fann. : §. 31. Gefegt, ein Gud oder Gebrdu foll 70—- 80 Eimer (1 Gimer = 64 Berliner Quart, und das Berliner Quart = bem Volumen von 22 Pfund Waffer) halten, fo find hierzu drei Bottiche, jeder gu dem Jnhalte von 25—30 Gimern gerechnet, erforderlich. Wuferdem ge- biren dazu nod) drei ober vier Fleinere Bottiche, von etwa 10— 15 Gimer Jnbalt, die zur Aufnahme des Rachbiers dienen. Der Raum eines folchen Kellers wird eine Linge von 60 Gus und cine Breite von 15 Fuf, oder 900 Quadratfus Grundflddhe haben miiffen. §. 32, Der Grund bes Kellers muf 3: bis 4 Fuf tief in die Erbe eingegraben und die Wande miiffen ausgemauert — 16 — fein. Die Mauer erhalt tiber der Erbe eine Hohe von 5: bis 6 Gus und eine Dide von 2: bis 3 Fuh. Die Dede ift gewdlbt, fo daf fie einen gebdriidten Halbtreis bilbet, der eine Hihe von 6 Gus hat. Wenn unter dem Gabhrfeller noch ein trodner Grund von 7 bis 8 Fup fic) findet, fo fann bdiefer gur Unlage eines Winter-Biers tellers benugt werden, ba in diefem Falle die gegohrne MWiirze (das Vier) oon dem Gabhreller aus in bie Ra: gerfaffer abgeleitet werden fann. 2, Der Winters VierFeller. §. 33, Die Veftimmung des WintersBierkellers ift, bas fertige Bier in den dazu dienenden Faffern aufzus nehmet und gu lagern, um eS fabl gu erhalten, aber aud) gleichgeitig vor Froft gu bewahren, und muf ders felbe einen Gldchenraum haben, der minbdeftens 300 bis 350 Gimer ju faffen vermag. Der Winter- Vierkeller tann. enttveder, wenn die Tiefe des Grundes es erlaubt, unmnittelbar unter den Gabhrfeller angelegt werden, oder, je nachdem die Lofalverhdltniffe es geftatten, einen bes fondern Theil des Kellerraumes einnehbmen. Auch fann mau thu entwebder unter dem nadber ju bildenden Sied- haufe, wenn ndmlid) der Boden deffelben fo eingerichs tet ift, daf alles darauf fic) anfammelnde Wafer ab: lduft, ohne dag Gewilbe gu durdhdringen und in den Keller hinabsuflieBen, oder unter ber Mtaljtenne anlegen, welches jedoch weniger anjgurathen ift, weil, menn viel: leicht auch. der Quellftod hier angebracht wird, das dar: in gelagerte Vier leicht mit Waffer in + Beriihrung tom: men fann, Der GFladhenraum